• Vortrag

Polyexpressivität

Nachdenken über Sprache und Kommunikation

Die Reinheit der Sprache ist ein Phantasma mit vielerlei Konsequenzen. Das Standarddeutsch beispielsweise war erst nur Schriftsprache, während das Konzept der Sprachenvarietät die Tatsache verdeckt, dass die Vielfalt und Bewegung von Sprachen natürlich, die Standardsprache als Gradmesser dagegen ein gewaltvoller Akt der Grenzziehung ist. Mehrsprachigkeit und das Zählen der Sprachen erinnert deswegen nicht zufällig an das koloniale mapping.
Translanguaging dagegen ist ein Konzept, welches beschreibt, dass und wie Sprecher:innen zur Kommunikation auf ein ganzes Repertoire von Ausdrucksmöglichkeiten (diverse Sprachen, Gesten, Mimiken etc.) zurückgreifen. Sie tun dies Ofeli Garcia und Li Wei zufolge immer strategisch und passen sich dabei differenten Situationen fluide an. Translanguaging weist auf die Listigkeit und Performativität von Kommunikationsverhalten. Heterolingualität, wie sie Naoki Sakai formuliert, sieht in der Übersetzung die gemeinsame Sprache der Zukunft. Die migrationspolitische Forderung nach Akzeptanz von Mehrsprachigkeit erscheint fade in Lichte der Überlegungen zu Translanguaging und Heterolingualität.
Im Vortrag wird für die Affirmation von Polyexpressivität plädiert. Sprache ist dann nicht nur das Zusammenspiel von stimmlich und/oder schriftlich artikulierten Worten, sondern der immer missglückende Versuch sich verständlich zu machen.

14:00 Uhr Ausstellungsrundgang mit den Künstler:innen und Kuratorinnen
15:00 Uhr Vortrag und Gespräch von und mit María do Mar Castro Varela

Die Veranstaltung findet unter Einhaltung der 2G + Regelung (geimpft oder genesen plus Test oder Booster) statt, es ist keine Voranmeldung nötig. Es gelten die aktuellen Abstands- und Hygieneregeln.

Es ist ein schwarz-weiß Foto zu sehen auf dem eine Frau in einem Archivraum steht.
© Marisa Maza
Zur Ausstellung

Teilnehmende Künstlerinnen und Künstler